Vorsicht “Burn Out”- Gefahr!
Schon ziemlich lange wollte ich etwas über dieses Thema schreiben, aber ironischerweise kam ich nie dazu, genau aus dem Grund, warum der Zustand, über den ich schreiben will, überhaupt entsteht.
Zur Zeit erlebe ich meinen Tagesablauf von Montag bis Freitag als eine Achterbahn der Gefühle, bei der man sich innerhalb einer Sekunde aus dem Nichts heraus plötzlich dem Chaos gegenüber sieht, gefolgt von etwas, das man nur Wahnsinn nennen kann und das ganze Geschehen verschwindet hernach wie in einem schwarzen Loch, lässt einen ausgelaugt zurück und man fragt sich was man vor nur zwei Minuten noch gemacht hat.
Ich habe die Funktion als Tierheimmanagerin mit offenen Augen und Armen angenommen, da ich mich dazu verpflichtet gefüllt habe. Ich weiß um die ganze Bandbreite der Arbeit und ich habe mich inzwischen vollständig von dem erholt, was mich 2007 zwang auf Abstand zu gehen, wegen genau der Sachverhalte, die mich heute den ganzen Tag beschäftigt halten.
Als menschliches Wesen das Mitgefühlt mit Tieren hat, schaue ich auf jedes braune, schwarze, creme- oder sonstwiefarbene Fell und denke mir was sie wohl fühlen. Ich sehe in ihre Gesichter und Augen. Ich fühle ihre Traurigkeit und verstehe ihr Verlangen nach Futter, Schutz und Gesellschaft. Ich sehe und spüre ihre Wunden und die juckenden Zecken und Flöhe in ihrem verfilzten Fell. Ich spüre ihre trockenen und abblätternden Schorf, die lästigen Fliegen, die sie stören und die stetige Bewegung in ihrer Ohren und Augen, die sie vor dem nächsten Roller, Auto oder Menschen bewahren, die ihnen was antun könnten, wenn sie ihnen im Weg sind.
Je mehr man sieht desto mehr entdeckt man und desto mehr fühlt man sich dazu veranlasst etwas zu tun.
2006, hatte ich genau dieses Gefühl, ich war gepackt von dem Gedanken wie viel ich doch helfen könnte und aufgeregt von dem nie enden Strom an Fällen, die Hilfe benötigten. Ich schloss mich der Freiwilligenarbeit uneingeschränkt und ohne Angst an, ohne ein Gefühl von Erschöpfung oder heraufziehender Niederlage. Ich half Care for Dogs so gut ich nur konnte auf jede Art und Weise, die ich nur konnte. Ich lernte so viel durch meine neu entdeckte Leidenschaft und mein Wissen um die vielgestaltigen Probleme und Themen wuchs stetig, die das Leben von Hunden in einer Zivilisation wie wir sie kennen umgeben.
Ich begann mich für medizinische Fragen zu interessieren und ich wartete ungeduldig bis zum nächsten Klinikbesuch mit Problemfällen, die zu begutachten waren, um die Ergebnisse zu sehen, denn ixh wusste es gibt Hunde, denen ich helfen konnte und dort waren Tierärzte, die mir helfen konnten.
Egal in welcher Gegend Thailands ich unterwegs war, überall spürte ich Hunde auf und wurde Zeuge der schlimmen Zustände, in denen sie sich befanden. An den Tagen, wo ich nicht direkt an der Arbeit von Care for Dogs beteiligt war, fing ich an zusätzlich eigene Projekte zu verfolgen, besuchte meine Hunde, meine Orte und wurde zu der Hilfe, die sie brauchten, denn durch die Vertrautheit mit ihnen, war es offensichtlich für mich, dass es sonst niemanden gab, der etwas für sie tat. Ich wurde ihre Rettungsleine, es gab niemanden sonst, der das tat was ich tat. Ich fühlte mich verpflichtet jedem Hund zu helfen, den ich zu sehen bekam. Ich besuchte einen örtlichen Tempel und wurde vertraut mit all den Hunden, die dort lebten, fing an sie während der kalten Jahreszeit 2-3 Mal pro Woche zu besuchen, um ihnen etwas Extrafutter zu bringen. Leute besuchten den Tempel und ignorierten die Hunde, manche von ihnen misshandelten sie sogar oder wie sie die Hunde dort sahen, entschlossen sie sich ihre eigenen dort auch noch auszusetzen.
Ich sah Leute mit ihren kleinen Spielzeug- Schoßhündchen und verachtete sie und sah die Nahrungsmittel, die an den Restauranttischen verschwendet wurden und fühlte Mitleid mit den Straßenjungen, die in der Nacht die Abfalltonen durchwühlten. Für mich stellten nicht die Hunde eine Plage dar, sondern die Menschen unter denen ich lebte.
Ja, das war Besessenheit.
Ich lebe hier in Chiang Mai mit meiner thailändischen Partnerin und ihrer Familie, die mir ständig die vielen Unterschiede deutlich machen, die es zum westlichen Kulturkreis gibt. Und wie viele Ausländer, die hier leben, muss ich damit klar kommen. Ich halte mich inzwischen selbst für recht gut angepasst, aber dazu brauchte es 5 Jahre.
Allerdings war ich 2006 / 2007 an einem Wendepunkt, der schwer für mich zu akzeptieren war. Zu diesem Zeitpunkt begann ich festzustellen, dass ich anfing Leute um mich herum zu hassen, die mir so viel Schmerz bereiteten – die so vielen Hunden Schmerzen bereiteten. Mir wurde immer mehr bewusst, dass meine täglichen Aktivitäten, mit denen ich den Hunden zu helfen versuchte, nie einen großen Unterschied für die Masse der Hunde ausmachen würde, die unter den Händen von Menschen zu leiden hatten und ich wird ruhelos genau unter den Menschen zu Leben, deren kultureller Hintergrund zu den Problemen führten, gegen die ich ankämpfte. Die thailändische Gesellschaft im Allgemeinen setzt ganz andere Prioritäten und baut auf andere Werte, als die, an die ich gewöhnt war.
Für mich wurde das Tierheim von Care for Dogs zu einem traurigen Ort, mit den immer gleiche Gesichtern am Tor mit der geringen Zahl von Adoptionen im Vergleich zu dem stetigen Anwachse bei den Zugängen dazu noch der dauernde Strom an verletzten oder bedrohten Tieren. Ich wurde sehr deprimiert. Mich begann ein verzweifeltes Gefühl des Versagens zu ergreifen und egal was ich tat, ich fühlte mich wie auf einem Schiff im Meer, dass von einem unwiderstehlichen Wirbel in die Tiefe gesogen wurde.
Ausgesetzte Hunde an Tempeltoren, Leute, die die Krankheiten und Verletzungen teils ihrer eigenen Hunde ignorierten, andere, die diese vertrauensvollen hilflosen Seelen vernachlässigten und misshandelten oder Hunde vorsätzlich umbrachten und manche Hunde die verspeist wurden, all diese Erlebnisse wurden zu viel für mich und unter Schmerzen riss ich mich weg von der Arbeit, die ich getan hatte und drehte der Sache, für dich gekämpft hatte, den Rücken. Ich war überwältigt worden vom enormen Ausmaß der Probleme, der Stress, der aus diesem Kampf in einer „nie enden wollenden Schlacht“ erwuchs, war zu viel für mich geworden.
Bei diesem Grad an Besessenheit verschreibt man sich dem Kampf für die gerechten Sache und der Verzweiflung auf einer sehr persönlichen und individuellen Ebene. Dein gesellschaftlicher Umkreis ändert sich, man distanziert sich von denen, die nicht die eigenen Ansichten teilen. Jede Unterhaltung dreht sich um die letzten Hundethemen sei es am Telefon oder per E-Mails voll mit Texten und Diskussionen über das was richtig und falsch ist.
In 2007 begann ich meine Erlebnisse des Tages rund um die Aktivitäten bei Care for Dogs in einem recht einfachen Internetblog nieder zu schreiben und was ursprünglich als eine Eigentherapie von mit gedacht war, bei der ich meine Erfahrungen festhalten und mit anderen teilen konnte wurde schlussendlich nur zu einer Plattform, auf der ich meine fortdauernde Unfähigkeit und Misserfolge verkündete.
Schuld, Niederlage, Scham und Verwirrung drangen aus jeder Pore meines müden Körpers. Ich ließ nicht nur die Leute im Stich, die meine Leidenschaft teilten, die Freiwilligen und Unterstützer von Care for Dogs sondern auch Tausende von Hunden, von denen ich wusste, dass sie immer noch meiner Hilfe bedurften.
Im Frühjahr 2008 nach einer sechsmonatigen Auszeit bei Care for Dogs, fand ich für mich einen Weg wie ich mit den meisten der Probleme klar kommen konnte, mit denen ich zuvor so gekämpft hatte. Ich hatte meine Energiespeicher wieder aufgeladen, war wieder zu einem Ausgleich mit der Gesellschaft, in der ich lebte gekommen und erwachte nicht länger jeden Morgen mit dem Gefühl von Stress, der aus dem nie endenden Strom an Hunden resultierte, die der Hilfe bedurften. Darüber hinweg gekommen war mir klar geworden, dass ich es selbst war, die sich den Stress machte.
Zuvor hatte ich die Welt der Freiwilligen mit weit offenen Armen betreten, dachte ich wäre unbesiegbar, Superwoman und nicht auch fehlbar. Inzwischen erkannte ich den Wert sich selbst Grenzen zu setzen und Regeln zu folgen. Ich stellte mir selbst Regeln auf, an die ich mich halten konnte und war mir ständig der Gefahr bewusst zu sehr vereinnahmt und übermotiviert zu werden.
Nachdem ich die neue Webseite aufgebaut hatte und das Engagement anderer Freiwillige gewonnen , die auch etwas dazu beitrugen, erkannte ich wie viel an Selbstverpflichtung ich bereit war Care for Dogs zu geben. Ein Tag pro Woche, an dem ich Tierarztbesuche machte und gelegentlich das Tierheim besuchen, um zu weiteren Informationen zu kommen, mit denen ich beim regelmäßigen Aktualisieren die Webseite bestücken konnte.
Wie die Leser dieser Webseite wissen werden, hat sich das im September 2009 geändert, als ich mit der Vollzeitarbeit als Tierheimverwalterin begann. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht. Ich kämpfte mit mir um den Grad des Engagements, der mir möglich war anzubieten und wurde schließlich mir selbst einig wie ich diese neue Phase meiner Aktivitäten angehen wollte. Ich würde weiter meine Grenzen und Regeln einhalten.
Da ich wusste, warum es bei mir vorher schief gegangen war, machte ich den Leuten in meiner Umgebung bewusst, dass ich dieses Mal anders sein würde. Ich sagte den Leuten, dass die harte Schale einer Dampflock, die durch ihre Arbeit stampft, nur zu einem einzigen Grund da war, um mich bei der Sache zu halten und mir zu ermöglichen nicht durch die Gefühle bei den Aktivitäten aufgefressen zu werden und damit das Risiko der emotionalen Erschöpfung für mich zu reduzieren.
Ich möchte so viel helfen wie ich nur kann, aber ich weiß ich, kann nicht jedem Hund helfen und ich weiß, wenn ich meinen Stresslevel nicht im Zaum halten kann, wird es mir nicht möglich sein überhaupt einem Hund zu helfen.
Die Dinge liefen anfangs nicht ganz nach Plan, ich hatte ein wenig zu leiden. Doch nach ein paar Monaten kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich die meisten Sachverhalte identifiziert habe, die mir Probleme bereiten und ich arbeite aktiv daran, dass die verursachenden Faktoren mich nicht soweit beeinflussen, dass ich mein Gleichgewicht nicht halten kann.
Ich bin ständig dabei mich zu entschuldigen, dass ich so schroff und gerade aus bin, aber dass ist die Rüstung, die ihren Zweck erfüllt und darin geschützt kann ich weitermachen ohne zu große Schmerzen. Ich fühle mich nun einigermaßen wohl in meiner neuen Rolle und sehe viele Projekte im Wirkungsbereich meines Jobs, die helfen werden die Einrichtung sogar noch effektiver zu gestalten.
Ich meine es ernst mit meiner Arbeit, ich rege mich auf über Lette, die dumme Fragen stellen und versuchen Dinge komplizierter zu machen in einer Umgebung, die an sich schon kompliziert genug ist. Aber alles in Allem weiß ich, dass ich nicht umkippen oder einfach weggehen werde wegen meiner Gefühle gegenüber den Hunden oder den Leuten. Das ist der Hauptunterschied zwischen dem letzten Mal und der jetzigen Zeit meines Engagements. Dieses Mal ist mir bewusst, dass ich aussprechen muss, was in meinem Kopf herum geht und meine Bedenken offen zur Sprache bringen, nicht einfach den Druck und die Emotionen in sich aufnehmen, die entstehen, wenn man mit einer schwierigen Situation konfrontiert ist.
Dieser Beitrag dreht sich ganz und gar um den ‘Burn out’ & die Gründe warum so viele Freiwillige auf der ganzen Welt Schwierigkeiten haben die Unterstützung für die Sache, der sie sich verschrieben haben, dauerhaft zu geben.
Während ich darüber nachdachte zu diesem Gegenstand etwas zu schreiben, sah ich unterschiedliche Menschen, mit denen ich in Kontakt kam, die einen Punkt erreichten, an dem sie mit ihren Kräften, ihrer Konzentration und ihrem Engagement nur noch jonglierten. Im vergangen Jahr habe ich eine Reihe von Einzelpersonen gesehen wie sie so viele zusätzliche Aktivitäten annahmen und dauernd wurde ich Zeuge wie sie unfähig waren die Notwendigkeit von Grenzen zu erkennen und sich mit dem notwendigen Bedacht der Situation anzupassen, wie es ihnen von ihren Freunden und Kollegen angeraten wurde. Der unausweichliche Burn Out wird zu einem Verlust für Alle, sie selbst, ihre Freunde und am meisten für die Sache, der sie sich verschrieben haben, den Tieren die unsere Hilfe brauchen, führen.
Dieser Beitrag dreht sich nicht nur um mich, er handelt auch von den Menschen um mich herum. Leute, die tun, was ich tue. Es geht um das Thema „Burn Out“ und die Folgen von persönlichem Engagement auf die eigene emotionale Stabilität. Schauen Sie sich diesen Link an (Englisch) dort können Sie mehr über das Thema lesen und hoffentlich auf irgendeine Art von den Erfahrungen Anderer profitieren.
Seien Sie gewarnt. Falls sie auf irgendeine Art im Bereich Tierrettung engagiert sind, sie riskieren einen Burn Out und den Ruin ihres Privatlebens und sie riskieren den Kontatkt zur Realität und den Menschen ihrer Umgebung zu verlieren.
Danke Ihnen für die Zeit, die Sie sich zum Lesen dieses reichlich langen Artikels genommen haben.
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Kategorie: Andernorts
Tagged as: Arbeit im Tierschutz, Gefühle, klar kommen, Stress, Tierheim
Ally " Als Freiwillige bei Care for Dogs mitzuarbeiten macht mich sehr glücklich und ich habe das Gefühl das höhere Mächte die letzten Jahre gewirkt haben, die mich hierher geführt haben, um genau das zu tun und für manchen Hund in und um Chiang Mai einen Unterschied zu machen[Mehr]"
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Liebe Ally
Ich möchte dir für diesen Beitrag danken und gratulieren. Es ist ganz genau so wie du es beschreibst. Ich habe es selbst wie viele andere auch erlebt und es ist sehr schwer damit umzugehen, die Angst dass es wieder soweit kommen wird ist gross. Es geht darum ein Mass zu finden das für einen stimmt. Ich bewundere deinen Beitrag. Danke
Maggi